Nicolai Gogol, Die toten Seelen

Josef Mikl, Ich war immer für Bücherkästen (1994)

 

Josef Mikl zählt nicht nur in malerischer Hinsicht zu einem der wichtigsten Künstler Österreichs, sondern wird auch aufgrund seines Intellekts und seiner Belesenheit respektiert. Wie eng sein Leben mit Literatur verknüpft war, belegen nicht nur seine eigenen zahlreichen satirischen Schriften und Texte über Künstlerkollegen, sondern es flossen auch in seine Kunst immer wieder malerische Interpretationen seiner von ihm geschätzten Autoren ein: So basieren die Glasfenster in St. Margarethen auf einem Aphorismus Sören Kierkegaards, dessen „Stille Verzweiflung“ setzte er 1962 in einer Radierungsserie künstlerisch um. Zweifelsfrei schuf er mit der Ausgestaltung des Großen Redoutensaal ein Denkmal für die österreichische Literatur, als er sein 404 m² großes Deckenbild dem Gedicht „Jugend“ von Karl Kraus widmete und es interpretierte, sowie für die 22 Wandbilder Textstellen von Johann Nestroy, Ferdinand Raimund und Elias Canetti malerisch verwirklichte.

 

Johann Nestroys Einakter „Häuptling Abendwind“ inspirierte Josef Mikl so sehr, dass er einen Werkzyklus mit einzelnen Szenen und skizzierten Bühnenbildern schuf und sich so auf seine Weise das Werk zu eigen machte. Ein wichtiger Impulsgeber war schließlich auch Nikolai Gogols „Tote Seelen“, das er ebenfalls sehr umfangreich in unterschiedlichen Formaten künstlerisch sezierte.

 

Josef Mikl schrieb 1994 anlässlich seines herausgegebenen Buches über die Arbeiten an den Bildern für den Großen Redoutensaal: Ich war immer für Bücherkästen. Bücherkästen mit gutem Inhalt. Bücherkästen, die auch ausgelesen werden. Keine Bestseller in den Regalen, keine Titelsucht.

 

Und so zeugt – neben seinem malerischen Werk - seine mit vielen Erstausgaben gespickte umfassende Bibliothek von seiner Belesenheit und der großen Wertschätzung, die er gegenüber dem geschriebenen Wort entgegen brachte.

 

Gabriele Baumgartner, 2019